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Dienstag, 13. April 2021 06:34
Profipress Kirsten Röder am 26 - Jan - 2021

Vereinskartell schafft zum Geburtstag neue Fahnen an – Anton Könens Chronik von vor 25 Jahren behält Gültigkeit – Ortsvorsteher Björn Wassong sammelt Fotos und Relikte für ein „Ortsarchiv“ – Kinder und Jugendliche stellten einen Jubiläumskalender 2021 zusammen

Mechernich-Weyer – Pünktlich im 1150. Jahr nach urkundlicher Ersterwähnung können im Mechernicher Höhenort Weyer neue Ortsfahnen wehen. Mit finanzieller Unterstützung des NRW-Heimatschecks war es dem Vereinskartell Weyer um den Vorsitzenden und Ortsbürgermeister Björn Wassong möglich, neue rot-blaue Flaggen mit dem Ortswappen zu beschaffen.

Weyer ist mit über 500 Metern Meereshöhe nicht nur der höchste, sondern vermutlich auch einer der ältesten Orte im Stadtgebiet Mechernich. 2021 soll die urkundliche Ersterwähnung vor 1150 Jahren Corona-konform begangen werden. Luftbild: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Man glaubt nicht, wie kostenintensiv es ist, solche hochwertigen Fahnen herstellen zu lassen“, schreibt Wassong in einer Pressemitteilung: „Sie müssen schließlich auch Wind und Wetter standhalten.“ Nun könnten alle Mitbürgerinnen und Mitbürger ihre Heimatverbundenheit zum Ausdruck bringen, in dem sie an Festtagen wie dem 1. Mai oder Kirmes ihre Häuser mit den Ortsfahnen schmücken, so der Ortsvorsteher. Erhältlich sind die Fahnen bei ihm.

„Älter als die Ersterwähnung“

Weyer wurde 871 erstmals als „villa viveri“ („Siedlung bei den Fischteichen“) urkundlich erwähnt. Diese Urkunde findet man im „Goldenen Buch von Prüm“. Ab 1599 erscheint der Ortsname in der heutigen Form. Björn Wassong: „Sicher ist Weyer älter als diese erste urkundliche Erwähnung, aber vom genannten Zeitpunkt an beginnt die durch ein Schriftzeugnis belegte Existenz der Siedlung.“

Der Weyerer Ortbürgermeister Björn Wassong mit neuer Ortsfahne und Kalender. Foto: Jenny Wassong/Vereinskartell Weyer/pp/Agentur ProfiPress

Die Vorgeschichte des Ortes sei durch Funde und von Menschenhand entstandene Veränderungen im Boden nachweisbar. Zum Beispiel durch den Fund des Matronensteins im Jahr 1991 bei Restaurierungsarbeiten im Altarraum der Pfarrkirche St. Cyriacus. Da „erst“ vor 25 Jahren eine Ortschronik vom jüngst verstobenen Heimatforscher Anton Könen herausgegeben worden sei, werde es im Jahr 2021 keine weitere Chronik geben, so der Ortsvorsteher.

Allerdings sammelt Wassong weiterhin alte Bilder und Erinnerungsstücke für ein „Ortsarchiv“. Zudem sind verschiedene Aktionen und Feste – sofern diese pandemiebedingt überhaupt stattfinden können – vorgesehen, in denen die Ortsgeschichte gefeiert und präsentiert werden soll.

Aus Bildern, die Weyerer Kinder und Jugendliche seit dem Sommer 2020 über ihr Dorf gemalt haben, stellte das Vereinskartell einen Jubiläumskalender zusammen. Foto: Björn Wassong/Vereinskartell Weyer/pp/Agentur ProfiPress

So wurde mit Hilfe zahlreicher Kinder und Jugendlichen ein Kalender zum Jubiläum herausgebracht. Der Nachwuchs war seit Sommer 2020 aufgerufen, Bilder unter dem Motto „Mein Weyer“ zu malen oder sonst wie kreativ zu gestalten.

Firmen gaben Gutscheine

Neben der Abbildung der gemalten Bilder und Fotografien im Kalender gab es auch Preise in Form von Gutscheinen lokaler Unternehmen, wie der Eifel-Therme, dem Mechernicher Bergbaumuseum oder der Bowl-Fabrik zu gewinnen. Ergänzt wurden die Bilder der Kunstaktion mit Bildern von David Rosenbaum aus Weyer, der mit seiner Bildbrett-Aktion in diesem Jahr durchstartete.

Mit einem Verkaufserlös möchten die Initiatoren eine wohltätige Organisation unterstützen. „Die schönen Bilder aus und um Weyer schaut man sich bestimmt auch gerne in anderen Orten an“, meint Wassong schmunzelnd. Die Kalender gibt es zum Preis von 11,50 Euro in der Konditorei Arns.

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (v.r.), der Journalist Stephan Everling, Erster Beigeordneter Thomas Hambach, LVR-Archäologin Dr. Ulrike Müssemeier und Prof. Dr. Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege, vor dem Altar der Pfarrkirche in Weyer, in den im 11. Jahrhundert ein keltisch-römischer Matronenstein eingemauert worden war. Die Bauart des Kirchturms erinnert an einen römischen Wach- und Lichtsignalturm. Somit dürfte die Siedlung Weyer in Wahrheit viel älter sein als die 1150 Jahre, die seit der urkundlichen Ersterwähnung verstrichen sind und die im Jahre 2021 begangen werden sollen. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

In Anton Könens Weyerer Ortschronik heißt es: „Am 20.Oktober 871 bestätigt König Ludwig II. »der Deutsche« in Frankfurt durch Kanzler Hebarhard dem Kloster Prüm den Besitz der Kapellen der hl. Justina und der hl. Maria in Bachem im Jülichgau mit den ihnen von Otbert geschenkten Besitzungen, darunter in »uilla Uiueri« (Weyer), unter Vorbehalt der lebenslänglichen Nutznießung durch Ortberts Gemahlin Hildigard.“ In dieser Urkunde wird der Ort Weyer zum ersten Mal schriftlich erwähnt.

Rund um Weyer fand vermutlich schon in vorrömischer Zeit Eisen-steinabbau statt, so der Mechernicher Regionalforscher Anton Könen, der erst vor 25 Jahren eine dezidierte Ortschronik über Weyer verfasst hatte. Ebenso wurde Kalkstein in verschiedenen Steinbrüchen abgebaut. Die Pfarrkirche wurde 1187 erstmals urkundlich erwähnt, die Burg Weyer, an die nur noch die Straßenbezeichnung „Burgring” erinnert, 1371. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Anton Könen weiter: „Bei dem in der Urkunde von 871 genannten Ortsnamen »Uilla Uiueri« müssen wir lesen »villa viveri«. Für »u« und »v« wurde damals nur ein Zeichen verwendet. Die Diplomatiker (Urkundenforscher) einigten sich bei Urkunden-Editionen auf »v«.“

„Viveri“ bedeute demnach Siedlung bei den Fischteichen, aus lateinisch „vivus”, das auch Tierpark und Gehege bedeuten kann. Das im Falle Weyer „bei den Fischteichen” angenommen werden kann, legen der dortige Wasserreichtum und die römische Besiedlung des Ortes nahe, so Regionalhistoriker Könen.

Von der Burg blieb nur der Name

Rund um Weyer fand vermutlich schon in vorrömischer Zeit Eisenerzabbau statt, so der Mechernicher Chronik-Autor. Ebenso wurde Kalkstein in verschiedenen Steinbrüchen abgebaut. Die Pfarrkirche wird im Jahr 1187 erstmals urkundlich erwähnt. In einer schriftlichen Überlieferung aus dem Jahr 1372 wird die Burg Weyer genannt. Heute ist von diesem Gebäude nichts mehr vorhanden: nur die Straßenbezeichnung „Burgring”, die ziemlich genau die Lage der ehemaligen Burganlage umfasst.

Ein Ausschnitt aus der „Tranchot-Karte“ von 1815, auf der die Kirche („Eglise“) noch weiter vom Ort entfernt auf dem Kirchberg thront, als heute. Auch die Umrisse der Burg im Ort sind noch zu erkennen und sogar das Markushäuschen am Kreuzweg (am linken unteren Bildrand „Marcellus Kr“). Repro: Björn Wassong/Vereinskartell Weyer/pp/Agentur ProfiPress

Auf der Tranchotkarte von 1809 ist die Anlage als freistehende Burg dargestellt. Fundamentreste der Burg sind bei Grabungen heute noch zu finden. Das Mauerwerk einiger Hof-Anwesen – die heute noch stehen – entstand aus den Steinen der Burg. Beim Ausschachten eines Kellers wurden ein Glockenkern und die Reste eines Hochofens freigelegt. Man nimmt an, dass hier 1584 die Cyriakus-Glocke gegossen wurde. Ein schriftlicher Beleg fehlt allerdings für diese Annahme.

Wie Anton Könen schreibt, wurde Weyer beim zweiten Raubkrieg Ludwig XIV. 1677 durch die Franzosen eingeäschert. Nur drei Häuser „Am Jülicherend” und die Pfarrkirche überstanden das Flammeninferno. Pfarrer Lindweiler, erst wenige Wochen im Amt, konnte nur das 1601 von Pfarrer Heid angelegte Kirchenbuch aus dem brennenden Pfarrhaus retten, während die anderen Bücher und die alten Akten dem Brand zum Opfer fielen. Weyer war lange eigenständige Bürgermeisterei bzw. Gemeinde, ehe das Dorf im Zuge der kommunalen Neugliederung 1969 – 1975 Teil der heutigen Stadt Mechernich wurde.

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