Die auf der Anhöhe weithin für alle Gläubigen sichtbar gelegene Pfarrkirche wurde 1187 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Kirche, geschützt von einer weit aus¬greifenden Mauer, vermittelt den Eindruck einer in Stein erbauten Kirchenfestung, einer Gottesburg.

Die heutige Ausleuchtung bei Dunkelheit verstärkt den Eindruck. In ihrer Urform war die Kirche eine romanische Basilika, mit sehr klein gehaltenen Fenstern, die in der Frühzeit noch mit Tüchern verschlossen wurden. Um 1500 wurde die romanische Basilika in eine dreischiffige niedrige Hallenkirche umgebaut, im Lichten 15 m breit, das Mittelschiff 15,90 m lang, der Chor 6.30 m breit und 5 m tief. Die Schiffe befinden sich unter einem Dach. Die Südseite und der Chor stützen mit Sandstein abgedeckte Strebepfeiler. Der Charakter als ehemalige Basilika ist durch die vermauerten, zum Teil von spätgotischen Gewölben überschnit-tenen Fenster im Obergaden, durch die grob vorgesetzten Pilaster und stehengeblie¬benen, ungleich gestalteten Pfeiler und sonstige Unregelmäßigkeiten noch ersicht¬lich.

Die schmalen Joche des Mittelschiffs mit einem sechskappigen Sterngewölbe, und das Joch des ehemaligen Querschiffs und der Chor sind zusammen einheitlich ge¬wölbt mit einem gemischten Stern- und Netzgewölbe. Die Seitenschiffe sind einfach kreuzgewölbt. Alle Gewölbe sind mit einfachen Hohlkehlrippen, die im Schiff un¬gleichartig an den Wänden oder auf Pilastervorlagen enden versehen, während sie im Chor auf hohe Achtecksäulen gesetzt sind.

Der ehemalige viergeschossige Turm hatte in seiner Urform, wie alle romanischen Kirchtürme unserer Heimat, ein kleines Pyramidendach, wie es die Pfarrkirche in Mechernich noch heute aufweist. Die rippenlose kreuzgewölbte Turmhalle mißt 4,20 m im Quadrat bei 1,50 m ausgenischter Wandstärke.

Am 4.Oktober 1684 wurde durch Blitzeinschlag der Kirchturm in Brand gesetzt. Der alte Turmhelm wurde ein Raub der Flammen. Man darf davon ausgehen, daß die Einwohner den Glockenstuhl vor der Einäscherung bewahrt haben, da die älteste Glocke, von 1584. keinerlei Beschädigung aufweist. Durch die fortwährenden Kriegs¬lasten war die Gemeinde derart verarmt, daß sie aus eigenen Mitteln eine Reparartur nicht ausführen konnte.

In dieser Notsituation begab sich Pfarrer Lindweiler zum Kurfürsten und Erzbischof nach Bonn, um eine Beisteuer (Zuschuß) für die unumgängliche Turmreparatur zu erbitten. Eine Beisteuer von 25 Taler wurde ihm auf Fürsprache einflußreicher Freun¬de gewährt. Da die 25 Taler die Reparaturkosten nicht abdeckten, wurden die Gläubi¬gen trotz ihrer Notlage zu weiteren Abgaben verpflichtet. In Band 5 des Pfarrarchivs wird aufgezählt: „was dazu noch aus Kirchenmitteln aufgebracht werden müssen, was Callmundt pro reparatura, was Orvey (Urfey), Vollem und Iservey aufzubringen, so einem jedem Haus aus dem ganzen Kirchspiel angesetzt wegen des Kirchturms zu reparieren."

Ob die Angaben nicht ausreichten, oder die Turmreparatur nicht sorgfältig genug ausgeführt wurde, ist nicht bekannt. Schriftlich überliefert ist aber, daß der bauliche Zustand des Turmes sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte derart verschlechterte, daß er einzustürzen drohte. Nachdem der am 29.Mai 1785 von dem Architekten und Geometer Arnould eingereichten Entwurf, den Turm mit Kuppelaufbau und Zwiebel-spitze neu zu gestalten, abgelehnt wurde, begann 1788 Meister Adolf aus Dollendorf mit dem Neubau des Turmes. DerTurm erhielt die noch heute sichtbare Form mit eingezogener achtseitiger Schiefer¬pyramide. Die in Form von Verankerungseisen angebrachte Jahreszahl 1794 dürfte sich auf die entgültige Fertigstellung des Turmes beziehen.

Der heutige Eingang zur Kirche wurde erst beim Neubau des Turmes 1788/94 ge¬schaffen. Der alte mit Sandstein eingefasste, später vermauerte Eingang zur Kirche von der Südseite her, legte 1921 Josef Milz beim Einmauern der Gedenktafeln für die Gefallenen des I.Weltkrieges frei.

Nach einer Sage, die heute in Vergessenheit geraten ist, soll ein reicher Bauer mit Namen ..Hügel" aus Weyer, den Turm ohne fremde Hilfe erbaut haben. Um die Ko¬sten dafür aufzubringen, hat er ein Grundstück nach dem anderen verkauft. Trotzdem die Einwohner ihre Hilfe anboten, lehnte er jede Hilfe ab. Er soll den Turm in seiner jetzigen Form gestaltet haben.

Trotz der Neugestaltung blieb der Turm und das Kirchendach, bedingt durch ihren Höhenstandort, ein reparaturanfälliges Sorgenkind der Gemeinde. Allein im vergan¬genen Jahrhundert waren 22 kostspielige Reparaturen erforderlich. Erst 1924 erklärte sich der Kirchenvorstand bereit, durch die Mechernicher Baugesellschaft für elektri¬sche Anlagen, die nur die Kosten des Materials berechnete, einen Blitzableiter zu installieren.

Die im Jahre 1938 niedergelegte Sakristei war 1746 erbaut und mußte auf Anordnung der kirchlichen Behörde vom Kirchspiel Weyer in gutem baulichen Zustand erhalten werden.

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