Ursprung der Kirche und der Pfarre
Die Religionsgeschichte unserer Heimat ist mit den Menschen verbunden, die das Land besiedelten. Gottesverehrung kennt man schon von Urzeiten her. Magische Naturreligion wurde sicherlich schon in der Kakushöhle ausgeübt. Spätere Völker¬stämme verehrten ihre Gottheiten in der freien Natur. Auf Bergkuppen, an Quellen, Wasserläufen und an den Gräbern der Toten fühlten sich unsere Vorfahren den Göt¬tern nahe, und sie brachten ihnen ihre Opfer dar.

Die Übung, Gottheiten in geschlossenen Räumen (Tempeln) zu verehren, kam zu uns erst mit der römischen Fremdherrschaft, 57 v.Chr. bis 465 n.Chr.. Mit den Römern erreichten neue Anschauungen und andere Götter unser Gebiet. Diese vermischten sich häufig mit den einheimischen Religionsvorstellungen. Ein Relikt aus jener Zeit stellen die Tempelanlagen bei Pesch und Nettersheim dar. Solche Heiligen Bezirke waren als Wallfahrtsorte dem ganzen Volk zugänglich. In Pesch wurden die Matro¬nen, Mutter-Gottheiten verehrt. Dargestellt werden sie als drei sitzende Frauen mit einem vor der Brust zusammengesteckten Mantel und mit Früchte-Körben auf dem Schoß als Symbole der Fruchtbarkeit. Die beiden äußeren Matronen tragen scheiben¬förmige Hüte, die mittlere wurde barhäuptig dargestellt. Ihre Anrufung geschah in der Eifel unter unterschiedlichen Namen. In Nettersheim als Matrone Aufaniae, in Pesch als Vaccallinehae und in Zingsheim als Fachinehae.

Neben den Tempeln war den Römern, wie unserem Vorfahren, die Götterverehrung im eigenen Heim, in der Großfamilie und im Gutsbezirk vertraut. Ländliche Guts¬herrschaften bauten häufig kleine Tempel, um die religiösen Wünsche der Familie und des Gesindes zu befriedigen. Man darf annehmen, daß die meißten aufgefunde¬nen Götterbilder (aus Stein oder Bronze) aus solchen Privattempeln stammen. In der Zeit der Christianisierung unseres Landes fanden diese Götterbilder, die mit Absicht verstümmelt wurden, Aufstellung vor christlichen Kirchen als Mahnung für die Neubekehrten. So geschehen mit einem Venusbild vor St.Mathias in Trier und dem Bronzebild der urkeltischen Bärengottheit im Vorhof der Aachener Pfalzkapelle. Ob das Christentum bereits in den ersten zwei Jahrhunderten nach Chr. Eingang in die Eifel gefunden hat, dürfte unwahrscheinlich sein. Erst mit dem Toleranzedikt von Mailand (313), das die Verfolgung der Christen beendete und die Einführung des christlichen Glaubens zuließ, konnte sich das Christentum unbehindert entfalten. In den Städten Köln und Trier entstanden die ersten christlichen Gemeinden. Als erste geschichtlich nachweisbare Bischöfe werden in Köln der hl.Maternus (etwa 285-313) und in Trier der hl.Maximus (332-349) genannt. Die älteste christliche Kirche in der Umgebung von Weyer wird in Zülpich vermutet.

Die christliche Frühkirche war im Anfang stadtgebunden. Das schließt nicht aus, daß reiche Gutsbesitzer den christlichen Glauben eher annahmen als die Bevölkerung auf dem Lande. Denn hier lebten weiterhin unberührt die Heiden oder, im lateinischen Sprachgebrauch der Kirche, die Pagani, die noch ungetauften Bewohner im Gau. Noch im 4.Jahrhundert wurden im heiligen Bezirk der Matrone Vaccallinehae bei Pesch Kultbauten errichtet, die beweisen, daß die Verehrung der alten Götter fortdau¬erte. Für unseren Raum kann man annehmen, daß die Götterverehrung noch bis um die Wende vom 4. zum 5.Jahrhundert andauerte.

Über die Ausbreitung des Christentums während der Frankenzeit, weiß man, wegen fehlender schriftlicher Überlieferung, kaum etwas. Gesichert ist, daß Chlodwig I. sich nach seinem Sieg über die Alemannen (496) und den damit verbundenen Gelüb¬de, 498 in Reims taufen ließ. Die Großen seines Volkes wandten sich daraufhin auch dem Christentum zu. Ihnen dürften dann die von ihnen Abhängigen (die Freien, Minderfreien und Hörigen) gefolgt sein.

Die adligen Grundherren der Franken errichteten eigene Kirchen in ihren Gutsbezirken. Die Kirchen dienten dem Gottesdienst und der Seelsorge für den engeren Familien¬kreis und das Gutsgesinde. Bei dieser Form spricht man von fränkischen Eigenkir¬chen. Der Grundherr, nicht die Gemeinschaft der Diözese, errichtete und unterhielt eine Kirche auf seinem Grundeigentum. Er schlug den kirchlichen Oberen Weltgeist¬liche nach eigener Wahl vor, deren Lebensunterhalt er garantierte. Aus dieser Gepflo¬genheit, die zum Privileg der Grundherren wurde, hat sich das spätere Patronatsrecht entwickelt. Das Patronatsrecht der Pfarrkirche in Weyer besaß der Herzog von Arenberg.

Impressum

Copyright © 2014 - Vereinskartell Weyer - All Rights Reserved.