In der christlich abendländischen Kirche war der Glocke von Anfang an eine beson¬dere Rolle zugedacht. Im 2Jahrhundert n.Chr. war die Glocke Symbol der Verkündi¬gung des Evangeliums. Beim Geschichtsschreiber der Franken, Gregor von Tours, lesen wir die Bezeichnung „Signum ecclesiae", was „Glocke als Zeichen der Kirche" bedeutet. Papst Sabirian (604-606) forderte, siebenmal am Tage zu läuten. Karl der Große legte in seinen Kapitularien fest, zu welchen Tageszeiten wieviele Glocken läuten sollten. Es gab das Morgen-, Mittags- und Abendläuten. Neben den kirchlichen Anlässen dienten die Glocken auch weltlichen Zwecken. Sie läuteten bei herannahender Kriegsgefahr, bei Feuer und Gewitter. Eine besondere Verfügungsgewalt über den Gebrauch der Glocken besaßen die Grundherren. Im Weistum von Weyer war, wie in zahlreichen anderen Weistümern. das Recht der welt¬lichen Herrn über den ,.Glockenklang" schriftlich fixiert. Die sogenannte Herren¬glocke, die Größte im Geläut, rief die Hausväter zum Herrengeding und zum Gebo¬tenen Ding. Bis zum Einmarsch der Franzosen. 1794, achteten die weltlichen Herren streng darauf, daß ihr Recht unangetastet blieb.

Auf Anordnung der Französischen Behörden wurden die Glocken auch vor Beginn von öffentlichen Verkäufen und Versteigerungen geläutet. Mit Verordnung Nr.2243 vom 7.März 1843 verbot die preußische Regierung diesen Mißbrauch des Geläutes. Wann die erste Glocke in den Turm der Kirche zu Weyer kam, ist nicht überliefert. Die früheste Nachricht über die Existenz von Glocken im Turm der Kirche gibt uns die Inschrift der Cyriakus Glocke von 1584. Sie lautet: ..CYRIAKUS HEISCHEN ICH, ZOM DEINST GOTS ROFFEN ICH, DIE SUNDER BEKERE ICH; SO GIFT DIR GOT SEIN EWIGE RUH. HEINRICH VAN COLLEN GUS MICH 1584. D.ANTONIUS COMMER, PASTOR IN WEYER, DEM GOTE GENEDICH." Da weitere Nachrichten über Glocken in der Pfarrkirche Weyer bis 1823 fehlen, ist davon auszugehen, daß das Geläut bis dahin nur aus einer Glocke bestand. Pfarrer Johannes Hendrichs ließ 1823 in Weyer an Ort und Stelle zwei Glocken von dem Glockengießer Peter Boitel aus Ylload in Frankreich gießen. Von den Pfarrangehörigen mußte im Hand- und Spanndienst das notwendige Material für den Glockenguß herangeschaft werden. Außerdem stifteten die Gläubigen Silbermünzen, die in die Glockenspeise einflössen. Diese beiden Glocken hatten ein Gewicht von 27 und 9 Zentnern. Die große Glocke trug die Aufschrift: „CYRIACE, BEATE PAROCHIAE PATRONE; ORA PRO NOBIS ET POSTERIS. UT GAUDIA OPTINEAMUS AETERNA. J.HENDRICHS PRO TEMPORA PASTOR IN WEYER."

Bei der 1917 verfügten Ablieferung von Glocken zu Kriegsrüstungen mußten zwei Glocken abgeliefert werden. Aus dem Turm geholt und zum Abtransport vor der Kirche bereitgestellt, wurde die alte Cyriakus Glocke von 1584 und die kleinere der 1823 gegossenen Glocken. Die Cyriakus Glocke wurde wie ein Wunder beim Ab¬transport stehengelassen und vergessen. Sie wurde nach dem I.Weltkrieg wieder an ihren angestammten Platz im Turm montiert. Die andere Glocke kam zur Bleihütte nach Kall, wo sie den I.Weltkrieg unversehrt überstand. Einige beherzte Männer und ein Fuhrwerk hätten ausgereicht, die Glocke in Kall aufzuladen und nach Weyer zu¬rückzubringen. Aber diese günstige Gelegenheit wurde nicht genutzt. Die Glocke wurde, trotzdem der Krieg vorbei war und Kriegsrüstungen für Deutschland verboten waren, gesprengt.

Zwischen den beiden Weltkriegen bestand das Geläut aus zwei Glocken. Der 8.September 1942 war ein Trauertag für die Pfarrgemeinde Die 1823 gegossene, 27 Zentner schwere Glocke mußte zu Kriegsrüstungen abgege¬ben werden. Pfarrer Forsbach ließ die Glocke noch einmal läuten. Dann wurde sie im Turm zerschlagen, da eine Abnahme der Glocke, wegen ihrer Größe mit großen Schwie¬rigkeiten verbunden war. Der Pfarrer stand mit Tränen in den Augen auf dem Fried¬hof, als die Glocke unter den Hammerschlägen aufhäulte. Ein kleines Stück der zer¬schlagenen Glocke nahm der Pfarrer heimlich als Andenken mit. Der Verbleib des Stückes ist unbekannt. Um diesen zweimaligen schmerzlichen Verlust für die Zukunft auszuschließen, wur¬den nach dem II.Weltkrieg zwei Stahlglocken (an Stelle von Bronzeglocken) beim Bochumer Verein bestellt. Die Kaufsumme wurde zu 2/3 im voraus entrichtet. Durch die Geldumstellung infolge der Währungsreform 1948, fehlte ein namhafter Betrag. Durch die hochherzige Spende von Dr.Schröder aus Gemünd konnten die neuen Glok-ken bezahlt werden. Am 21.August 1949 war es endlich soweit. Die neuen, festlich geschmückten Glok-ken wurden durch den ganzen Ort gefahren und an der Kirche in ein Gerüst frei¬schwebend aufgehängt. Pfarrer Forsbach nahm die Weihe der Glocken vor. Die Glockenpaten waren Frau Anna Schneider geb. Dahmen, Weyer, und Dr.Schröder. Gemünd. Am 3.September 1949 erklang zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder das vollständige Geläut.

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