Wer waren die Franken und woher kamen sie? Sie waren ein Stammesverband ver¬schiedener Stämme. Von den antiken Schriftstellern sind uns Stammesnamen wie Sigambrer, Brukterer, Chamaver, Attuarier, Tenkterer u.a. überliefert worden. Anstel¬le der einzelnen Stammesnamen erscheint bei den frühen Schriftstellern ab dem S.Jahr¬hundert n.Chr. immer häufiger der Sammelname „Franken" für diesen Stammes¬verbund.
Die Sigambrer z.B. waren lange am Niederrhein ansässig. Im Jahre 290 n.Chr. nah¬men sie die Insel der romanisierten Bataver zwischen Waal und Rhein in Besitz. Nach dem holländischen Flußnamen Yssel (alt Issala) wurden sie auch Salier ge¬nannt. Der Stamm der Ripuarier (Uferbewohner) strömte von der rechten Rheinseite in das linksrheinische Ubierland ein und brachte es schließlich ganz in seinen Besitz.

Seit dem späten 3.Jahrhundert n.Chr. waren die römischen Kaiser gezwungen, um die Rheingrenze zu sichern, sich der Hilfe germanischer Stämme und Stammesteilen zu versichern. So kam es, daß die Franken in römischen Diensten gegen ihre Stammes¬verwandten aus den rechtsrheinischen Gebieten kämpften.
Salische Franken überfallen 355 n.Chr. Köln und halten die Stadt zehn Monate be¬setzt. 388 n.Chr. plündern und verwüsten die Frankenfürsten Genobaudes. Marcomeres und Sunno mit ihren Scharen die fruchtbare Kölner Börde und versetzen die Bewoh¬ner von Köln in Schrecken.
Der ranghöchste General des römischen Westens, der Wandale Flavius Stilicho, de¬monstriert 396 n.Chr. römische Stärke durch einen Zug die ganze Rheinstrecke ent¬lang bis zum Niederrhein und schließt Verträge mit den unruhigen fränkischen Nach¬barn. Er sichert damit zum letzten Mal die Rheingrenze.
459 n.Chr. nehmen die Franken Köln, dessen Umgebung bereits von ihnen beherrscht wird, in Besitz. Damit endete die römische Militär- und Zivilverwaltung in Köln und dem zugehörigen Hinterland, wozu auch unsere Region gehörte. Nun strebten einzelne fränkische Stammes- und Gaukönige nach der gesamtfränkischen Königsmacht. Chlodwig I., ein Sohn des Königs der salischen Franken Childerich L, gelang es, durch List, Verrat und Meuchelmord zum gesamtfränkischen König aufzu¬steigen. Mit ihm trat unser Gebiet wieder ins Licht der Geschichte. Im Raum Zülpich schlug Chlodwig I. im Jahre 496 n.Chr. die Alemannen vernich¬tend. Vor der Schlacht soll er gelobt haben, wenn der Gott seiner christlichen Gemah¬lin Chlotilde ihm zum Sieg verhelfe, wolle er sich taufen lassen. Chlodwig wählte aber nicht das Christentum der arianischen Burgunder, sondern das katholische der Gallo-Römer. Den Taufakt vollzieht 498 n.Chr. Bischof Remigius in Reims. Das Christentum stieß auch nach dem Übertritt Chlodwigs zum römischen Glauben in den fränkischen Gebieten noch lange auf Ablehnung. Deshalb war es jetzt für Staat und Kirche wichtig, die Bevölkerung für den neuen Glauben zu gewinnen. Diese Mission übernahmen vorwiegend irisch-angelsächsische Mönche. Bei ihnen hatte sich eine besondere Form des Glaubens in mönchischer Abgeschiedenheit entwik-kelt, der für das zähe Ringen um die Bekehrung der Bevölkerung in der schwer zu-gänglichen Eifel, wie maßgeschneidert war.
Seit dieser Zeit dürfen wir eine schrittweise Besiedlung der Nordeifel durch die Fran¬ken annehmen. Bei der Besiedlung dürften die alten Römerstraßen, die auch nach dem Verlust ihrer militärischen Bedeutung noch den Verkehr vermittelten, als Weg¬weiser gedient haben. Es entstanden zahlreiche neue Siedlungen, auch in der weitge¬hend vereinsamten inneren Eifel. Die für den Ackerbau besonders geeigneten Kalk¬gebiete (Z.B. Sötenicher Kalkmulde), waren begehrte Siedlungsplätze. Bedingt durch die Fachwerkbauweise der Franken, (auch bei ihren ersten Kirchen,) haben sich bei uns aus ihrer Anwesenheit, außer den Grabfunden, keine Spuren ent¬decken lassen. Die Franken bestatteten ihre Toten in Reihengräbern. Dabei können zwei Arten von Bestattungen festgestellt werden, die einfache Erdbestattung und die Bestattung in Steinplattengräbern. Die Bestattung in Steinplattengräbern beginnt vereinzelt schon im ö.Jahrhundert. Der größte Teil der Bestattungen ist aber dem 7.Jahrhundert, vor allem dessen späteren Jahrzehnten zuzuordnen.
Für unser Gebiet sind aus mehreren Sandsteinplatten sarkophagartig zusammenge¬fügte Steinplattengräber typisch. Bei Errichtung der Gräber fanden nicht selten Weihe¬steine aus römischen Tempelanlagen oder Abdeckplatten der römischen Wasserlei¬tung Verwendung. Bei den in Weyer freigelegten fränkischen Gräbern handelt es sich ausschließlich um Steinplattengräber.
Bei der Erweiterung des Friedhofs in den Jahren 1870 und 1880 wurde das erste Steinplattengrab mit menschlichen Gebein entdeckt. Nach E. Wackenroder, Kunst¬denkmäler der Rheinprovinz, Kreis Schieiden, soll um 1870 in der Flur „Nikolaskirche" ein weiteres Grab aus großen Sandsteinplatten mit einem Skelett ohne Beigaben ge¬funden worden sein.

Beim Abbruch der alten Sakristei (1939) und der Ausschachtung eines Heizungskel¬lers an gleicher Stelle entdeckte man in 1,5 m Tiefe neben vielen jüngeren Bestattun¬gen zwei Steinplattengräber und Pingsdorfer Scherben.
Bei dem einen Grab fehlten Kopf- und Bodenplatte sowie die Abdeckung. Sie mögen beim Bau der Sakristei, deren Nordmauer über die Südseite des Grabens hinweg¬ging, beseitigt worden sein. Die Seitenwände und der Boden bestanden aus je zwei Sandsteinplatten. Das Grab war außen noch 2,35 m lang und 1 m breit. Im Grab fanden sich mit dem Kopf im Westen übereinander zwei Skelette; eine 12 cm starke Erdschicht zwischen ihnen macht die spätere Bestattung des oberen wahrscheinlich. Im Grab fanden sich einfache Bronzeringe und eine Ringfibel bzw. ein Bronzering mit Halteöse.
Das andere Grab lag mit seinem Westende bereits in der Ostwand der Baugrube (Sa¬kristei) und war durchwühlt. (Verbleib der Funde Landesmuseum Bonn.) Bei der Verlegung von Wasserleitungsrohren von Weyer nach Vollem im Jahre 1979, hat der Bagger 20 m südwestlich der Kirche ein Grab angeschnitten. Hierbei war nur das östliche Ende des Grabes erfaßt worden. Der größte Teil des Grabes verlief über die Ausschachtungsgrenze hinaus nach Westen in eine Wiese. Das Grab wies eine Breite von 0,80 m auf, die Sohle lag 1 m unter der heutigen Oberfläche. Auf der Grabsohle lag an der Südwand des Grabes ein Schädel und einige Skelettfragmente. Nach Aussagen der Bauarbeiter fand man keine Grabbeigaben. Nach Lage des Schä¬dels und der Skelettreste kann man davon ausgehen, daß hier eine Raubgrabung statt¬fand. Bei den 1983 vorgenommenen archäologischen Untersuchungen die im Zuge von Heizungsbaumaßnahmen in der Pfarrkirche erforderlich geworden waren, ent¬deckte man im Chor Reste eines fundleeren Steinplattengrabes. Im Zuge weiterer Baumaßnahmen in der Pfarrkirche haben Arbeiter weitere Gräber angeschnitten. Die Skelettreste wurden von ihnen etwas pietätlos in einer Holzkiste gesammelt und anschließend vergraben. Eine Untersuchung konnte nicht vorgenommen werden, da eine Benachrichtigung der zuständigen Behörden nicht geschah. So ist uns die Anzahl und der Zustand der angeschnittenen Gräber unbekannt. Die freigelegten Gräber gehörten zu einem fränkischen Gräberfeld. Von den Fachleu¬ten werden die untersuchten Gräber dem 7. Jahrhundert zugeordnet. Das dürfte auch der Zeitraum sein, in dem die Siedlung Weyer, vor den -heim und -dorf-Siedlungen in der unmittelbaren Nachbarschaft, entstand. Unter den Franken war das Land in Gaue eingeteilt, die Verwaltungs- und Rechts¬bezirke waren. An der Spitze eines Gaues stand der Gaugraf. Ihren Namen trugen die Gaue meistens nach der Siedlung in ihrem Mittelpunkt oder nach einem nahen Fluß. So gab es im Gebiet der Eifel den Jülich-, Ahr-, Mayenfeld-, Mosel-, Bid-, Caros-und den Eifelgau. In der Urkunde vom 20.Oktober 871 heißt es: „in pago (Gau) eiflinse (Eifel) in uilla uiuer (Weyer)". Somit gehörte die Gemarkung Weyer zum Eifelgau. Die Bezeichnung Eifelgau ist erstmals 762 urkundlich erwähnt.

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