Das Ende des Kaiserreiches bedeutete für die Bevölkerung einen tiefen Einschnitt. Die schon im letzten Kriegsjahr einsetzende Geldentwertung (Inflation), erreichte 1923 ihren Höhepunkt. 1922 kostete eine Kuh 100.000 Mark und ein gutes Pferd 1/ 4 Million Mark. Man rechnete mit Millionen, dann mit Milliarden und auf dem Höhepunkt der Inflation mit Billionen. Die Handwerker ließen sich lieber in Naturalien für ihre Dienste entlohnen, als das von Tag zu Tag wertlosere Papiergeld anzunehmen. So mußte 1923 bei der unaufschiebbaren Dachreparatur an der Kirche Heu im Ort gesammelt werden, um den Dachdecker zu bezahlen. Die Inflation traf den Menschen hart. Die Lage verschärfte sich, als es zum passiven Widerstand (Regiezeit) kam. Französische und belgisehe Truppen besetzten als Pfand für die angeblich nicht hinreichenden Reparationsleistungen das Ruhrgebiet. Sie besetzten auch sämtliche Bahnhöfe an der nach Frankreich und Belgien führenden Eisenbahnstrecke. Die deutschen Eisenbahner weigerten sich, die Befehle der französisch- belgisehen Eisenbahnkommission zu erfüllen. Der größte Teil der Bevölkerung lehnte es ab, die sogenannte Regiebahn zu benutzen. Man ging zu Fuß. Ein Gang von Weyer nach Euskirchen und zurück beanspruchte einen Zeitaufwand von 8 bis 9 Stunden.

Durch diese Umstände wurde die Zufuhr von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern unterbrochen. Da Weyer noch nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen war, ging das Petroleum für die Lampen aus, und auch die Kerzenbestände erschöpften sich. Vom IS.September 1923 bis zum 7.Februar 1924 mußte die GewerkschaftMechernicher-Werke den Betrieb wegen Kohlenmangels stillegen. Den Männern von Weyer, die auf Spandau beschäftigt waren, fehlte es dadurch an Arbeit und Einkommen, die Not wuchs.

Die Unruhen durch Separatisten machte sich ab Oktober 1923 auch in Weyer durch Flugblätter und die unentgeltliche Belieferung der Bevölkerung mit der Zeitung "Die rheinische Republik" bemerkbar. Zu ernsthaften Zusammenstößen, wie sie es in Gemünd, Schleiden, Kall und Heimbach gab, kam es in Weyer nicht.
Die Beendigung der Inflations-, Regie- und Separatistenzeit brachte zwar Ruhe ins Land, aber die Not blieb. Einen Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes brachte der Freitag vor der Kirmes 1924. Die Mechernicher Baugesellschaft für elektrische Anlagen hatte den Ort an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Die ersten Glühbirnen leuchteten in Weyer auf.

Jahr für Jahr wuchs die Zahl der Arbeitslosen. Ebenso wie in den Industriezentren des Reiches, begann auch am Mechemicher Bleiberg die Arbeitslosigkeit. Hauptarbeitgeber neben der Landwirtschaft, der Bleibergbau reduzierte den Personalbestand im Jahre 1927 von 2700 auf 900 Beschäftigte. Der sehr strenge Winter 1928/29, in dem der Schnee von Weihnachten 1928 bis März 1929 lag, die Aussaat erst im April beginnen konnte, verschärfte die Notsituation.

Als 1929 durch die Wirtschaftskrise in Amerika der deutschen Wirtschaft die kurzfristigen Kredite entzogen wurden, kam es zur Massenarbeitslosigkeit. 1931 regte der Pfarrer an, daß die Vereine in Weyer wegen der großen Not auf alle Veranstaltungen verzichten sollten. Diese Situation im ganzen Deutschland war einer der Wegbereiter
für die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933.

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