Neubeginn – Neugliederung
Mit dem 6.März 1945 begann die Stunde Null, die Zeitspanne zwischen dem Ende des Krieges und dem Mut zum neuen Leben. Wenn Weyer auch kein direktes Front¬gebiet war, so hatte das unter Lebensgefahr geführte tägliche Leben infolge der stän¬digen Tieffliegerangriffe die Menschen zermürbt. Mit verhaltener Freude ging man daran, wieder Ordnung zu schaffen. Die neue Ordnung wurde zwar von Repräsentan¬ten der Besatzungsmacht gelenkt, aber man war froh, sich wieder ohne Lebensgefahr auf Feld und Straße bewegen zu können.
Arbeitsplätze gab es am Anfang nur in der Landwirtschaft und bei kleinen Hand¬werksbetrieben. Der größte Arbeitgeber bei uns, die Gewerkschaft-Mechernicher-Werke, war außer Betrieb.
Die Verkehrslage war nach dem Krieg katastrophal. Die Straßen waren weitgehend zerstört. Kaum eine Brücke war der Sprengung, auch wenn sie noch so klein und unbedeutend war, entgangen. Auf der zerstörten Eisenbahnstrecke Köln-Trier ruhte der Verkehr. Der gesprengte Kaller Tunnel hemmte noch jahrelang die Weiterfahrt bis Jünkerath und Trier.

Sehr schlecht war die Versorgungslage mit Nahrungsmitteln und den Dingen des täglichen Bedarfs. Wie im Krieg war alles weiter rationiert. Nur wurde es jetzt noch schwieriger, da die zugeteilten Rationen nicht immer zur Verfügung standen. Wer Selbstversorger (Landwirt), oder Teilselbstversorger war, war nicht vom Hunger be¬droht. In dieser Lage befand sich der größte Teil der Einwohner von Weyer. Auf Schwarzschlachtungen standen hohe Geld- und Gefängnisstrafen. Trotzdem wurden sie immer wieder versucht. Sei es nun, um den eigenen Nahrungsbedarf auf¬zubessern, oder mit dem Fleisch Tauschgeschäfte („Maggeln", wie das in Schwarzhändlerkreisen hieß) abzuschließen. Nicht vergessen sollte man aber den Teil der Bevölkerung, der in bitterer Not lebte. Er konnte seine ungenügende Ernäh¬rungslage nur erträglicher gestalten, wenn er Wertsachen, soweit sie ihm überhaupt geblieben waren, gegen Lebensmittel bei Landwirten oder auf dem Schwarzmarkt eintauschte. Besaß man nichts mehr, dann blieb nur der Weg zum Bauern, um gegen überhöhte Bezahlung oder durch Bitten einige Lebensmittel zu erhalten. Wenn es auch Tage gab, wo der Strom der Hungernden nicht abriß und es unmöglich war, jedem etwas zu geben, so haben sich Landwirte doch in einigen Fällen, wie der Pfar¬rer in Glehn es ausdrückte, „der christlichen Nächstenliebe entzogen." Kurz nach der Kapitulation besuchte Pfarrer Forsbach, die im ehemaligen Front¬gebiet liegenden Grenzgemeinden. Bei der großen Not die ihm dort überall begegne¬te, entschloß er sich zur spontanen Hilfe. Eine sofort in Weyer angeregte Sammlung für den Ort Rescheid, erbrachte über 180 Zentner Frucht, Kartoffeln und andere Ge¬brauchsgüter, die Pfarrer Forsbach am 26.Mai 1945 in Rescheid Pfarrer Meurer über¬gab. Bei einer zweiten Sammlung konnte eine noch größere Menge an Frucht, Mö¬beln und Kleidung der Patengemeinde Rescheid zugeführt werden. Ein Aufruf des Pfarrers zum Weihnachtsfest 1946 für arme Stadtkinder zu backen, war ein großer Erfolg. Die zahlreichen süßen Gaben wurden den Kindern in Aachen und Köln, die noch in Luftschutzbunkern lebten, zugeführt.

Endlich im Sommer 1948 kam die Währungsreform. Trotz weiterer Bewirtschaftung waren über Nacht die Schaufenster wieder gefüllt und das Angebot verblüffte die neun Jahre auf Konsumabstinenz gehaltene Bevölkerung. Vorbei war der Hunger, vorbei auch die Stromabschaltungen. Abends brauchte man deshalb nicht mehr die Kerze auf eine Flasche aufzupfropfen. Die jahrelang getragenen, teilweise gefärbten Uniformteile konnten endlich durch zivile Kleidung ersetzt werden. Jetzt ging es wirklich aufwärts, auch im kommunalen Bereich. In den fünfziger Jah¬ren begann die bauliche Aufwärtsentwicklung. Eine neue Schule, ein Jugendheim wurden gebaut. Dabei dehnte Weyer sich nach Jahrhunderten über sein altes Bebauungsgebiet hinaus aus. Bei der Flurbereinigung Ende der fünfziger Jahre, wurden fünf Aussiedlungshöfe an der Bewirtschaftungsgrenze der Gemarkung in Richtung Keldenich errichtet. Die Aussiedlung der landwirtschaftlichen Betriebe aus der Ortslage geschah auf freiwil¬liger Basis. Ausgesiedelt wurden die Betriebe von Josef Keller, Josef Mauel, Servatius Schmitz, Clemens Schneider und Matthias Wassong. Durch die Herausnahme der Betriebe erhielten die im Ort verbliebenen Landwirte ihre Grundstücke näher zum Dorf hin.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde die Gemeinde mit Wirkung vom 1 .Juli 1969 aus dem Amtsbezirk Zingsheim herausgelöst und in die Gemeinde Mechernich eingegliedert. Ausgenommen von dieser Maßnahme waren die fünf Aus¬siedlungshöfe in Richtung Keldenich. Sie verblieben im alten Verwaltungsbezirk. Bei der Gebietsreform am 1.Januar 1972 ging der Kreis Schieiden in den Kreis Euskirchen auf. Weyer gehörte jetzt dem neugeordneten Kreis Euskirchen und dem Regierungsbezirk Köln an, der mit dem Regierungsbezirk Aachen zu einem Regie¬rungsbezirk vereinigt wurde. Seit der Erhebung der Gemeinde Mechernich zur Stadt im Oktober 1975, ist Weyer ein Teil der neuen Stadt

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Oktober
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