Am 22. Juli 1885 hatte in Euenheim ein großes Sängerfest stattgefunden, an dem unter zahlreichen anderen Vereinen auch der „Cäcilien" Gesangverein von Weyer teilgenommen und sich im friedlichen Wettstreit recht wacker geschlagen hatte. In gehobener Stimmung fuhren die Weyerer Sänger auf einem Leiterwagen heim. Als sie das langgestreckte große Dorf Kommern durchfuhren, wurde ihre Freude über das gelungene Fest jäh gestört. Es handelte sich aber nicht um einen Überfall neidischer Sänger. Die Weyerer hatten vielmehr unter ihren Mitgliedern einen Grubenaufseher vom Mechernicher Bleibergwerk, der unter den Kommerner Bergleuten nicht beliebt war. Ihm galten die Steinwürfe, die plötzlich auf den durchfahrenden Wagen nieder¬sausten. Die Weyerer Sänger suchten Deckung unter den aufgespannten Regenschir¬men, und spornten das Pferd des Leiterwagens zu schärfster Gangart an, konnten aber nicht verhindern, daß ein Unschuldiger, und zwar der Küster von Weyer, durch einen Steinwurf am Kopf getroffen und ernstlich verletzt wurde. Im übrigen lief die Sache glimpflich ab. Aber sie hatte ein böses Nachspiel.

Die Polizei nahm sich der Angelegenheit an und die Staatsanwaltschaft erhob Klage gegen sieben junge Bergarbeiter und einen Schumacher aus Kommern wegen Land¬friedensbruch. Das hatten die Überfallenen Weyerer natürlich nicht gewollt. Aber der rächenden Nemesis konnte nicht mehr in den Arm gefallen werden, und so kam die gestörte Sängerfahrt am 10. April 1886 vor der Bonner Strafkammer zur Verhand-lung. Allen Beteiligten fiel ein Stein vom Herzen, als das Gericht die schwere Ankla¬ge wegen Landfriedensbruch fallen ließ, und die Übeltäter nur wegen groben Unfugs zu zwei bis vier Wochen Haft verurteilte. In beiden Dörfern war man über diesen glücklichen Ausgang der bedauerlichen Angelegenheit von Herzen froh.

Euskirchener Volksblatt 11.4.1936

 

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