Weyer. Im Jahr 1951 entstand eine bemerkenswerte Geschichtssammlung über Weyer und die nähere Umgebung. Der Pfarrrektor Johann Leugering aus Eiserfey und der Beamte a. D. Clemens Strunck aus Weyer machten sich damals daran, die Geschichte des Ortes und die Geschehnisse ihrer Zeit festzuhalten und für die Nachwelt zu bewahren.
Besonders interessant ist die unterschiedliche Perspektive der beiden Verfasser. Während Johann Leugering viele Ereignisse aus der Sicht des Geistlichen und damit aus dem Blickwinkel der Kirche schilderte, betrachtete Clemens Strunck das Geschehen aus der bürgerlichen Sicht eines Beamten und als damaliger Ortsbürgermeister von Weyer. So entstand eine Sammlung, in der unterschiedliche Wahrnehmungen und Betrachtungsweisen der damaligen Zeit zusammenkommen.
Auch das Originalmanuskript selbst ist ein Zeugnis seiner Zeit. Die Texte wurden auf der Schreibmaschine verfasst, teilweise finden sich handschriftliche Ergänzungen. Geschrieben wurde eng beieinander und teilweise bis an den Rand des Papiers – ganz offensichtlich mit dem Ziel, Papier zu sparen.
Der Inhalt der ursprünglichen Geschichtssammlung wurde bewahrt. Verändert wurde vor allem die äußere Form: Die teilweise schwer lesbare Vorlage wurde neu gesetzt, übersichtlich gegliedert und mit historischen Bildern ergänzt. So liegt die Sammlung heute in einer gut lesbaren Fassung vor, während die Aussagen und der Charakter des ursprünglichen Textes weitestgehend erhalten blieben.
Teile der Sammlung wurden bereits früher für die Aufarbeitung der Weyerer Geschichte genutzt. Anton Könen übernahm Inhalte für seine Chronik des Ortes. Auch für den Weyerer Geschichtspfad wurden Informationen aus der Sammlung verwendet.
Im Ort war zwar bekannt, dass eine „Chronik“ von Clemens Strunck existierte, doch eine vollständige Fassung war über Jahrzehnte nicht frei zugänglich. Die nun erfolgte Veröffentlichung macht die gesamte Sammlung erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Die dafür notwendige Freigabe erteilte die Enkelin des Verfassers, Frau Ursula Schütte.
Die Geschichtssammlung ist dabei nicht als wissenschaftlich belegte Ortschronik zu verstehen. Viele Informationen beruhen auf mündlichen Überlieferungen, Erzählungen und Erinnerungen, die von den beiden Verfassern zusammengetragen wurden. Wissenschaftliche Quellen und Belege standen bei der Erstellung im Jahr 1951 nicht im Mittelpunkt.
Gerade darin liegt heute ihr besonderer Wert. Die Sammlung vermittelt einen unmittelbaren Einblick in das Geschichtsverständnis der damaligen Zeit und bewahrt Überlieferungen, die andernfalls möglicherweise verloren gegangen wären. Sie zeigt nicht nur, was über Weyer erzählt wurde, sondern auch, wie die Geschichte des Ortes aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrgenommen und weitergegeben wurde.
Die Veröffentlichung soll die bestehende Chronik von Weyer nicht ersetzen, sondern sie um einen weiteren Blick auf die Vergangenheit ergänzen. Die Geschichtssammlung versteht sich als Zeitdokument und als Sammlung von Erinnerungen, Erzählungen und Beobachtungen aus längst vergangenen Tagen.
Vom Original zur heutigen Veröffentlichung
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Veröffentlichung erfolgte im Jahr 2020. Heinz Schmitz übertrug die ursprünglichen Texte aus dem Manuskript in eine digitale Fassung und setzte sie in einen verständlichen Zusammenhang.
Ab 2025 wurde die Sammlung von Ingo Keller weiterbearbeitet. Über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr wurden die Texte neu gesetzt, strukturiert und mit historischen Bildern aus der damaligen Zeit ergänzt. Ziel war es, die ursprünglichen Inhalte in einer gut lesbaren und zeitgemäß gestalteten Form zugänglich zu machen.
2026, genau 75 Jahre nach ihrer Entstehung, wird die Geschichtssammlung nun erstmals in dieser aufbereiteten Form veröffentlicht und dem Dorf öffentlich zugänglich gemacht.
Damit erhält Weyer ein bislang nicht frei zugängliches Stück seiner Geschichte zurück – als Ergänzung zur bestehenden Ortschronik und als persönliches Zeitdokument zweier Menschen, die vor 75 Jahren ihre Erinnerungen und ihr Wissen über den Ort für kommende Generationen festhielten.
